Er läßt sich treiben
und vertraut auf seine Intuition.
„Kreativität wächst im Stillen“,
sagt Manfred Kindel, dessen Name Programm ist: Er lebt für
die Arbeit, die Musik und das Spiel mit den Kindern. „Kinder“,
betont der verspielte Musikant „symbolisieren Zukunft.“
Sie sind spontan, direkt und leben für den Augenblick. Er tut
das auch. Vor 15 Jahren trieb es den Pädagogen auf die Straße.
Sein Sohn Johannes war geboren, und er wies ihm den Weg. Frei und
unbefangen wollte der Mann sein, der inzwischen als „Unmada“
drei CD für Kinder produzierte und als Käpt'n Uni Zoff
mit seinen Maschseepiraten Raubzüge für Hannovers Unicefprogramm
unternahm.
In wenigen Tagen startet der 42jährige,
der in Empelde aufwuchs, sich aber nie als Empelder fühlte,
ein neues Projekt. Am Stadtrand von Hannover soll ein „Kinderwald“
entstehen. Zunächst gedanklich, im Frühjahr künstlerisch
und im Herbst ganz konkret. Sein Ziel ist es, soziale und ökologische
Aspekte zu vereinen.
Die Wanduhr tickt. „Zeit“, meint der Mann, der einst
das Energie-Theater gründete, „muß anders verstanden
werden.“ Hand in Hand sollen Kinder und Naturschützer
durch das jetzige Tun Zeichen für die Zukunft setzen. „Wir
müssen in größeren Dimensionen denken.“ Das
Waldprojekt soll mehr als alles Vorangegangene schaffen: Bleibendes,
Wachsendes und Werdendes sollen die Kinder mitbegleiten –
am besten über Generationen hinweg. Mehrere Hektar Wald sollen
bepflanzt werden. Kinder sind begeisterungsfähig und naturverbunden.
„Bessere Voraussetzungen“, konstatiert
der Mann mit der Creole im Ohr, „kann es für den Kinderwald
nicht geben." Er sei in der Lage, quer zu laufen und seinen
Ideen zu folgen. Und er genießt die Freheit seines Schaffens
und denkt rein materiell nur in Quartalen. Als Zehnjähriger
spielte er im Posaunenchor. „Damals" so erinnert sich
Manfred Kindel, „war Empelde noch ein Dorf." Und während
er sich mit der Frage herumschlug, wo seine Wurzeln liegen, trieb
es seinen Vater Werner in die Politik. Damit hatte der Sohn der
Flüchtlingsfamilie nicht viel am Hut. Aber er hat eine Hochachtung
vor seinem Vater, der sich „seit Jahren tierisch im Rat engagiert
hat".
Auf anderer Ebene nimmt es sein Sohn ebenso genau: Zunehmende Kinderausbeutung
macht den Freischaffenden besorgt. Durch Werbung verblendet, von
der Schnellebigkeit überrollt, gerieten Identitäten der
Kinder ins Wanken. „Der Herzschlag ist unser natürlicher
Rhythmus. Schalten wir das Radio ein, sind wir schon im Trab."
Und dagegen setzt Manfred Kindel an: Er setzt den Piratenhut auf
sein angegrautes, schulterlanges Haar und läßt die Finger
über die Tasten des Akkordeons fliegen. Seine Frau lauscht
schmunzelnd dem Widerhall aus dem Hinterhof.
Christine Saemann
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