In Welt der Kobolde und Fabelwesen eingetaucht
Workshop für Kinderlieder im Wald im
Rahmen des 3. Friedberger Kindermusik-Festivals mit Unmada (Manfred
Kindel)
Friedberg. Im Rahmen des 3. Friedberger Kindermusik-Festivals
(die WZ berichtete) fand auch ein Workshop für Kinderlieder
im Wald statt. Singen, tanzen und spielen im Wald stand dabei auf
dem Programm. Über 20 Erzieherinnen, Pädagoginnen und
andere Interessierte waren morgens am Flugplatz in Bad Nauheim erschienen.
Der Leiter des Workshops, Unmada (Manfred Kindel), Diplompädagoge,
Musiker und Theatermacher aus Hannover, erklärte zunächst,
was der Name Unmada bedeutet. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und
heiße „außer sich vor Freude“, erzählte
der Mann mit dem Lederhut und der fast kompletten grünen Kleidung.
Das Allroundtalent beschäftigt sich seit der Geburt seines
Sohnes Johannes im Jahre 1981 mit dem Kinderliedschreiben. Damals
arbeitete er noch hauptberuflich in einer Drogenberatungsstelle.
Doch schnell wurde die Arbeit mit Kindern zu seiner hauptsächlichen
Tätigkeit. Jüngstes Projekt ist der „Kinderwald“
in Hannover – ein Kinderbeteiligungsprojekt, das Kindern aus
der Großstadt ermöglichen soll, naturnahe Erfahrungen
machen zu können.
Als Einstieg in den Workshop spielte der Liedermacher auf seinem
Hauptinstrument, dem Akkordeon. Ohne Mühe begeisterte er die
Kinder. Freudig sangen all die einmal vorgesungenen Passagen mit,
und ab ging es in den Wald. Wie singen die Trolle, die Elfen, die
Waldschrate und die Zwerge, fragte Unmada zwischen den zwei Strophen
des nächsten Liedes. Er machte es vor. Ganz tief und geheimnisvoll
singen die Waldschrate, leicht und beschwingt und sehr hoch die
Elfen, drollig und lustig die Zwerge. Ganz wichtig sei es, so Unmada,
die Kinder miteinzubeziehen, ihre Phantasie anzuregen und verschiedene
Stimmen beziehungsweise Stimmungen in den unterschiedlichsten Tonlagen
auszuprobieren. Die Gruppe war spätestens jetzt eingetaucht
in die Welt der Kobolde und Fabelwesen und stapfte munter weiter
natürlich immer mit einem Lied.
An einer Grillhütte, die einen idealen Vorplatz bot, kam zu
Gesang der Tanz hinzu. Das „Jahreszeitenlied“ beschreibt
die Veränderungen draußen in der Natur und ist ideal
geeignet, mit Kindern im Wald dieses Thema zu besingen. „Rundherum
wir reichen uns die Hände, weben und leben in Kreisen, unsere
Liebe ist stark und das Leben ein Tanz“, sangen die Teilnehmer
immer wieder im Kanon und tanzen eine Art Reigen dazu. Immer mehr
wurde für jeden spürbar, dass die Nähe zur Natur
ein belebendes und elementares Lebensgefühl ist; unentbehrlich
für ein schönes Leben, besonders für Kinder, aber
auch für Erwachsene. Kinder sollten die Möglichkeit haben,
sich in der Natur auszuprobieren, zu toben, im Wald zu spielen und
diesen als ihren Lebensraum zu entdecken – weg mit dem Ammenmärchen,
im Wald sei es gefährlich („Im Wald, da sind die Räuber“)
hin zu einem vertrauten und liebevollen Umgang mit den Bäumen,
Blumen und Pflanzen. Das liege ihm besonders am Herzen, und deshalb
mache er auch diese Arbeit, so der Wald- und Kinderfreund.
Sein Lieder sind stark bezogen auf die Nähe zur Natur und dem
Verbundensein mit der Erde. Aber auch aus anderen Kulturen stellte
er Lieder vor. Einige kommen aus Südamerika und stammen von
den dortigen Indianern. Themen wie Nehmen und Geben, Festhalten
und Loslassen, Trauer und Liebe und natürlich die Verbundenheit
mit der Natur kommen darin vor. Auf die Baumwipfel wollte er nun
mit der Gruppe und dort oben ein wenig spazieren gehen. Unmada zog
aus der Tasche eine Reihe von Spiegelkacheln. Jeder sollte sich
einen Spiegel direkt unter die Augen halten. Hintereinander im Gänsemarsch
ging es dann los.
Dieser Blick in den Spiegel eröffnete eine andere wunderbare
Welt. Stahlblauer Himmel, herbstliche Farben und schwindelerregende
Höhen. Tatsächlich befand man sich in den Baumwipfeln
ganz oben. Man sollte die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive
sehen, so der Rat des Pädagogen. Darüber hinaus gab es
noch einen Zwergenmarkt, an dem jeder seine Waren, die er im Wald
gefunden hatte, feilbieten konnte. Von der Wunderharfe, über
die gute Laune, die eine Teilnehmerin mitten im Wald fand, bis hin
zu Feenprinzessinnen gab es allerlei Sehenswertes. Die vier Stunden
vergingen wie im Flug, und so manch einer wäre auch gern den
Rest des Tages noch im Wald geblieben zum Tanzen, Singen und Spielen.
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